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Finanzen 
Montag, 25.02.2019

Run Off wieder in den Medien

Hintergrund:

Eine interessante Perspektive eröffnet nun ein Beitrag in der "Süddeutschen Zeitung" vom 20.02.2019, in dem ein Vertreter des britischen Investors Cinven, der gerade dabei ist, über seine Abwicklungsgesellschaft Viridium von der Generali Leben vier Millionen Kunden/Versicherte zu übernehmen, zitiert wird. Caspar Berendsen von Cinven meint, dass nicht alle Spezialfirmen, die im Zuge von Run Off Lebensversicherungsbestände übernehmen oder übernehmen wollen, "über die nötigen Fähigkeiten" verfügen "um erfolgreich zu sein".

Gemeint ist da wohl neben Know-How auch das finanzielle Durchhaltevermögen. Im Falle der Generali-Übernahme, nennt Viridium-Chef Heinz-Peter Roß Zeiträume, die auf eine Zeitdauer von insgesamt rund fünf Jahren hinauslaufen, bis die Übernahme abgeschlossen ist. Das sei auch auf intensive Diskussionen mit der BAFin zurückzuführen, weshalb im Falle Generali/Viridium aktuell die notwendige Genehmigung durch die deutsche Finanzaufsicht noch ausstehe.

Vertriebsprobleme bleiben außen vor

Aus Verbrauchersicht muss man davon ausgehen, dass die erwähnten Diskussionen mit der BAFin auch der Wahrung der Interessen der Versicherten dienen. Aber wo bleiben die Interessen des Vertriebes?

Der Vertrieb hat, soweit er bereits betroffen ist, das Problem, den Kunden den Run Off erklären und die übernehmende Gesellschaft, in diesem Fall mit britischem Hintergrund, beschreiben zu müssen.

Bis dato gibt es jedoch keine Erfahrungen, die es ermöglichen, den Übernehmer dem Kunden überzeugend positiv beschreiben zu können. Das wäre jedoch dringend erforderlich, denn schließlich hat der Versicherte zumeist seine Altersvorsorge in seinem Versicherungsvertrag angelegt und soll nun auch noch Prämien an einen ihm in der Regel völlig fremden letztendlich ausländischen Übernehmer bezahlen. Wie soll der Vertrieb das notwendige Vertrauen der Kunden eigentlich erzeugen?

Umdeckung ist keine Lösung

Vermittler, die sich seriöses Geschäft auf die Fahnen geschrieben haben, werden nur in seltenen Fällen Umdeckungen durchführen können, denn die Aufklärungspflichten, die in mehreren rechtskräftigen BGH-Urteilen gefordert werden, dürften die Zustimmung des Kunden in den allermeisten Fällen verhindern - ganz davon abgesehen, dass in der Mehrzahl der Fälle Umdeckungen, u.a. wegen der doppelten Kostenbelastung durch die Zillmerung und höherer Garantiezinsen, wirtschaftlich nicht sinnvoll sind.

Hinzu kommt: Wer wegen drohendem Run Off umdeckt, begibt sich auf dünnes Eis, wenn er die Zukunft des bestehenden Vertrages negativ beschreibt.

Fazit:

Das Vertriebsdilemma, das sich aus dem Run Off ergibt, ist nicht wirklich positiv lösbar. Umso erstaunlicher erscheint die Zurückhaltung des Vertriebes bei der Diskussion des Run Off. Das dürfte weitere Gesellschaften ermutigen, den für sie vorteilhaften wenn auch langwierigen Weg zum Run Off zu beschreiten.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.

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