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Finanzen + Versicherungen

Krankenversicherung 
Mittwoch, 28.10.2020

Pflege: Besser nicht auf Reformpläne bauen

2020 feierte die Gesetzliche Pflegeversicherung ihr 25-jähriges Bestehen. Seit der Einführung der Pflichtversicherung zum 01.01.1995 ist kaum ein Jahr ohne größere oder kleinere Änderungen vergangen, darunter diverse Beitragserhöhungen von anfänglich 1 % des Bruttogehaltes auf aktuell 3,05 % (plus 0,25 % Zuschlag für Kinderlose). Auch auf der Leistungsseite gab es zahlreiche Änderungen. Unter anderem erfolgt die Einstufung als Pflegefall seit einigen Jahren nicht mehr nach Pflegestufen, sondern nach wesentlich komplexeren Pflegegraden.

Mehr als 2.000 EUR aus eigener Tasche

Viele Versicherte dürften mittlerweile den Durchblick verloren haben. Fakt ist: Trotz aller Reformversuche kommen im Pflegefall hohe Kosten auf die Versicherten oder ihre Angehörigen zu. Denn die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung decken nach wie vor nur einen Teil der tatsächlichen Pflegekosten ab. Tendenz fallend, zeigen aktuelle Zahlen vom Verband der Ersatzkassen VDEK. Danach müssen Versicherte Jahr für Jahr einen immer größeren Anteil aus eigener Tasche aufbringen. Mitte 2020 lag dieser Eigenanteil im Bundesdurchschnitt bei 786 EUR. Unterkunfts- und Verpflegungskosten zahlen Heimbewohner ohnehin aus eigener Tasche, viele Pflegeheime legen außerdem einen Teil ihrer Investitionskosten auf die Pflegebedürftigen um. So summiert sich die durchschnittliche Belastung im Jahr 2020 bereits auf mehr als 2.000 EUR.

Angesichts dieser Zahlen erscheint die nächste Reform unausweichlich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte sie möglichst noch vor der Bundestagswahl im Herbst 2021 abschließen und hat aktuell die ersten Eckpunkte vorgestellt. Indem er den Eigenanteil künftig begrenzt, will der Minister für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mehr Planungssicherheit schaffen. Konkret schlägt Spahn vor, dass Heimbewohner für die stationäre Pflege künftig für längstens 36 Monate maximal 700 EUR pro Monat zahlen.

Trügerische Sicherheit

Unter dem Strich blieben im Schnitt aber immer noch mehr als 25.000 EUR als Eigenleistung in den ersten drei Jahren. Profitieren würden vor allem Langzeitpflegebedürftige und Heimbewohner in Bundesländern mit besonders hohen Pflegekosten wie beispielsweise Berlin, Bayern und Baden-Württemberg. Hier liegt der Eigenanteil schon heute im Schnitt bei über 900 EUR. Auch nach der Reform bliebe die gesetzliche Pflegeversicherung aber eine "Teilkaskoversicherung", die nicht alle Risiken abdeckt, räumte selbst Minister Spahn in einem Zeitungsinterview ein. Branchenvertreter kritisieren zudem die geplante Gegenfinanzierung aus Steuermitteln und sprechen von trügerischer Sicherheit, weil Versicherte nach wie vor ein hohes finanzielles Risiko selbst tragen müssten.

Unser Tipp für Sie:

Die Diskussion um die nächste Pflegereform dürfte dem wichtigen Thema in den kommenden Monaten erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen und bei vielen Kunden für Beratungsbedarf sorgen. Ohne eine private Pflegezusatzversicherung ist das Pflegerisiko von der Mehrzahl der Versicherten künftig kaum noch zu stemmen. Nutzen Sie diesen Beratungsanlass, um mit Ihren Kunden ins Gespräch zu kommen und gefährliche Lücken in ihrer Absicherung zu schließen.

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